Man sagt, Lügen hätten kurze Beine, doch gelegentlich können Menschen damit erstaunliche Dinge erreichen. Im Film "Was Marielle weiß" funktioniert dies jedoch plötzlich überhaupt nicht mehr für Julia und Tobias. Denn Marielle, ein 13 Jahre altes Mädchen, kennt sämtliche Gedanken ihrer Eltern sowie all ihre Handlungen.

DerFilm, der imFebruaraufderBerlinalegefeiertwurdeundjetztam17.April2025indieKinoskommt,haltetsichnichtlangeimmitseinerfantastischenPrämissenaufsondernlegtraschlösgleichloszu:DasmädchenbesitztnachenerOhrfegetelepathischeFähigkeiten.UndfürdieElternder,sicheingearbeitethabenuminderlangeweilenehen,ihreneinträchtigenJobs,demschickenHäusuchenRotweinanAbend,wirdesraschwiederunbehaglich.

Gehören Lügen zum Leben?

Im Verlag hat der Papa momentan einige Herausforderungen zu meistern. Doch abends bei Tisch berichtet er stolz von seinen Erfolgserlebnissen und wie großartig es doch sei, dort zu arbeiten.

In der Zwischenzeit hat die Mutter ein Büroleben für einen Flirt begonnen und denkt darüber nach, ob es vielleicht während einer Pause lohnenswert wäre, schnell etwas mit ihrem attraktiven Kollegen zu machen.

Und was ist mit der Tochter? Sie sieht, siehht und erkennt all dies – und plötzlich landet alles auf dem Tisch. Das hat sehr starke Auswirkungen.

Pertinenze lügen zum Alltag dazu? Welchen Preis bezahlen wir dafür letztendlich? Und welchen Preis haben wir für die Wahrheit zu entrichten – ist dieser womöglich sogar höher? Oder möchten wir im Grunde genommen gar nicht alles erfahren?

Autor und Regisseur Frédéric Hambalek befassen sich in seinem Film elegant mit solchen wesentlichen Themen. Er gelingt dies innerhalb von nur einerinhalben Stunde. Gleichzeitig zaubert er aus "Was Marielle weiß" mithilfe seines fantastischen Ensembles sowohl ein tiefgründiges Drama als auch eine großartige humorvolle schwarze Komödie hervor. Ein deutsches Kinowerk, das ein ursprünglich ernsthaftes Thema so unbeschwert darstellen kann, ist selten zu sehen.

Zum Peinlichsein für andere – und sich selbst ertappen zu lassen

Der Kerngedanke dieses Films ist gleichzeitig simpel und genial. Beeindruckend ist jedoch, wie Hambalek die Geschichte von diesem Startpunkt aus weiterentwickelt: in welche Richtungen und mit welcher Intensität. Wie die Eltern zunächst ablehnen, dass ihre Tochter über besondere Kräfte verfügt. Wie sie sich im Laufe der Handlung in einer Lügengeschichte verfangen. Und schließlich, wie sie mit erheblichem Einsatz versuchen, das Mitgefühl ihrer Tochter zurückzugewinnen. All dies kann manche Szenen extrem, düster und sogar traurig wirken lassen, bleibt aber stets psychologisch glaubhaft. Der Betrachter erlebt den Fremdgeschämtheitsmoment && findet sich gelegentlich selbst bei ähnlichen Gedanken ertappt.

Hier soll der Inhalt des Spiels um Lüge und Wahrheit, das am Ende doch eine Liebesgeschichte ist, nicht preisgegeben werden. Allerdings wagt sich Hambalek genau dort vor, wo es schmerzhaft ist und manchmal unglaublich abstrus wird. Er versteht es jedoch, dies bis hin zu einer zufriedenstellenden Endung unterhaltsam darzustellen.

Das Buch, die Regie und das Spiel behalten hier hervorragend den perfekten Ausbalancierung zwischen Ernsthaftigkeit und Humor bei. Sie führen mit bewundernswerter Sicherheit diese schwierige Tonalitäts-wandelnde Aktion durch. Die Begeisterung von Julia Jentsch und Felix Kramer als authentische Eltern ist fast greifbar, besonders wenn man ihre Vorliebe für diese überzeichneten Szenarien und prägnanten Gespräche bemerkt.

Und Laenie Geiseler spielt die Rolle von Marielle, welche den festen Punkt darstellt, um den sich alle anderen Charaktere drehen. Für das junge Mädchen ist diese Fähigkeit keine Gnade. Schließlich ist es schwierig und schmerzhafte Arbeit ständig die Wahrheit zu kennen. Dies ist einer jener schlauen Punkte, auf die dieser bemerkenswerte Film hindeutet.

Table of Contents [Close]
    Neuere Ältere
    X
    X
    X